Warum kommt es zur Konflikteskalation? Ein Psychologe erklärt

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Aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit wird ein Streit – schnell führt ein Wort zum anderen und die Situation schaukelt sich hoch. Konflikte an sich sind nichts Schlechtes – sie gehören zum Leben und auch zu gesunden Beziehungen dazu. Doch wenn die Eskalation eines Konflikts nicht gestoppt wird, kann es uns und unseren Beziehungen schaden.

Du willst wissen, warum Konflikte eskalieren? Wir haben mit dem Sozialpsychologen und Konfliktforscher Prof. Dr. Ulrich Wagner gesprochen und ihn gefragt, wie man eine drohende Konflikteskalation erkennen kannst und welche Stufen der Konflikteskalation es gibt.

Warum eskalieren Konflikte?

Prof. Dr. Wagner erklärt: „Konflikte an sich sind normal. Sie können allerdings außer Kontrolle geraten und dann viel Schaden anrichten - bei uns selbst und in unseren Beziehungen. Konflikte eskalieren vor allen Dingen dann, wenn tieferliegende Bedürfnisse der Konfliktparteien verletzt sind und dies nicht erkannt wird. Negative Gefühle, die so ausgelöst werden, können den Konflikt noch befeuern.“

Oft geht der Konflikt um eine Kleinigkeit, ein falsches Wort, eine falsch verstandene Geste, und wir fragen uns dann, warum die Situation so eskaliert. Die Antwort ist: Weil das falsche Wort, die falsche Geste etwas in uns verletzt, das uns wichtig ist. Wir haben zum Beispiel den Eindruck, dass die Gegenseite uns Anerkennung oder Erfolg verweigert, auf die wir viel Wert legen.

„Um herauszufinden, welche Bedürfnisse verletzt sind, können wir uns die folgenden Fragen stellen: Warum leide ich gerade unter einer Auseinandersetzung? Was genau verärgert mich im Moment und macht mich so wütend?“, erklärt unser Experte und ergänzt: „Oft hilft es, dass wir die Antworten unseren Konfliktpartner:innen mitteilen. Das bringt dann für alle eine neue Sichtweise in die Situation und das kann helfen, die Auseinandersetzung zu entschärfen.“

Phasenmodell der Konflikteskalation

 Laut Prof. Dr. Wagner eskalieren Konflikte oft nach einem ähnlichen Schema. Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat dies 1980 in einem Werk über Konfliktmanagement mit einem Phasenmodell der Konflikteskalation beschrieben.

Das Modell lässt sich auf viele Konflikte anwenden. Egal, ob es sich um eine Meinungsverschiedenheit zwischen Freund:innen, Liebespartner:innen oder politischen Gruppen handelt, die in Streit geraten sind. Wie auch immer die Situation aussieht, wir nennen die gegnerischen Seiten im Verlauf die Konfliktparteien.

Die 9 Stufen der Konflikteskalation nach Glasl können in drei Kategorien aufgeteilt werden: win-win, win-lose und lose-lose – je nachdem wie gut oder schlecht der Konflikt am Ende für alle Beteiligten ausgeht.

Win-win Situation – es gibt noch Hoffnung auf ein gutes Ende

 Die ersten drei Stufen der Konflikteskalation gehören zur sogenannten win-win Phase. Die Konfliktparteien sind noch darauf aus, eine Lösung zu finden, mit der alle gut leben können. Es kommt zwar zu Spannungen und unterschiedliche Meinungen treffen aufeinander, doch man geht davon aus, den Konflikt lösen zu können. Je stärker sich die Situation allerdings zuspitzt, desto mehr verlieren die Konfliktparteien die gegenseitige Empathie. Die Gefahr, dass diese Handlungen von der Gegenseite falsch interpretiert werden, wächst.

Win-lose Situation – der Konflikt ist nun sehr schlecht zu lösen

Die nächsten Stufen der Konflikteskalation gehören zur win-lose Phase. In dieser Phase der Konflikteskalation ändern sich die Überzeugungen. Die Konfliktparteien gehen davon aus, dass nur noch eine Seite gewinnen kann und die andere Seite verlieren muss. Man stellt sich gegenseitig in ein schlechtes Licht, greift auf Vorurteile zurück und hofft, dass Ansehen der gegnerischen Partei zu beschädigen.

 Lose-lose Situation – der Konflikt endet für beide Parteien schlecht

Die letzten drei Konfliktstufen gehören zur lose-lose Phase – die totale Eskalation des Konflikts. Es geht nicht mehr darum, den Konflikt zu gewinnen, sondern der anderen Seite Schaden zuzufügen, auch wenn das auf eigene Kosten geht. Eigener Schaden wird in Kauf genommen, wenn der Schaden der anderen Partei größer ist. Prof. Dr. Wagner erläutert: „Das ursprüngliche Thema des Konflikts hat völlig an Bedeutung verloren. Das Ziel ist nun, die andere Seite fertig zu machen, um jeden Preis. Das zeigt sich in massiven Beschimpfungen und abfälligen Äußerungen und kann sogar in Gewalt enden“.

Zu verstehen, wie Konflikte eskalieren können, hilft, um mit Konflikt- und Streiteskalationen in Beziehungen richtig umzugehen. Wenn du weißt, wie Konflikte außer Kontrolle geraten können und welche schlimmen Konsequenzen auftreten können, wirst du versuchen, es gar nicht so weit kommen zu lassen und die richtigen Strategien zur Konfliktdeeskalation anzuwenden. So hast du größere Chancen, Konflikte zu entschärfen und Harmonie wiederherstellen.


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