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Kleines 1x1 des Naseputzens

Kleines 1x1 des Naseputzens

vor 1 Jahr
 

Mit dem Ende des Winters ist bei vielen Deutschen der Schnupfen nicht vorbei: Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen – etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Kindergärten, an Schulen oder in Einkaufszentren – sind Krankheitserreger und Viren präsent. Zudem leiden im Frühjahr und Sommer ca. 16 % aller Deutschen an Heuschnupfen.

Jeder Deutsche verbraucht deswegen im Schnitt 55 Päckchen Taschentücher pro Jahr. Dabei ist Taschentuch nicht gleich Taschentuch: Viele Tücher bieten heute einen Zusatznutzen, wie etwa pflegende Inhaltsstoffe oder antibakterielle Wirkstoffe. Was viele Menschen jedoch nicht wissen: Neben der Wahl des Taschentuchs kommt es beim Schnäuzen auch auf die richtige Technik an. Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. med. Michael E. Deeg vom Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte erklärt, wie es richtig geht und wie auch die Kleinsten spielend leicht lernen, sich die Nase richtig zu putzen.

Herr Dr. Deeg, jahrhundertelang war das Stofftaschentuch die erste Wahl bei Tränen oder einem Schnupfen – heute hat sich das Papiertaschentuch aus hygienischen Gründen durchgesetzt. Hat die Art des Taschentuchs einen Einfluss auf die Verbreitung von Krankheitserregern?

Dr. Deeg: Vom hygienischen Standpunkt aus ist das Papiertaschentuch klar zu bevorzugen, denn Taschentücher sollten nur einmal benutzt und dann entsorgt werden. Beim Stofftaschentuch ist vor allem problematisch, dass es in der Regel benutzt, dann in die Tasche gesteckt und später erneut benutzt wird. Wenn es gewaschen wird, sollten unbedingt alle Erreger abgetötet werden, die sich in dem Stofftuch befinden. Ich habe allerdings große Bedenken, dass diese Hygieneaspekte immer eingehalten werden.

Einige Ihrer Kollegen warnen davor, dass durch die falsche Putztechnik Schleim und Viren in die Nebenhöhlen gepresst werden können. Wie ist dies aus medizinischer Sicht zu beurteilen? Und was gilt es, beim richtigen Schnäuzen zu beachten?

Dr. Deeg: Diese Möglichkeit besteht. Wird Sekret in die Nebenhöhlen gepresst, können dadurch auch Keime verschleppt werden. Grundsätzlich sollte man beim Schnäuzen keinen zu hohen Druck ausüben. Außerdem ist es sinnvoll, beide Seiten einzeln auszuschnäuzen; einfach ein Nasenloch zuhalten und gleichzeitig das andere ausschnäuzen, dann die Seiten wechseln.

Immer wieder ist zu lesen, dass die Nase „hochziehen“ gesünder sei als Naseputzen. Was raten Sie Ihren Patienten?

Dr. Deeg: Ich rate vom Hochziehen ab. Schon alleine, weil es wenig gesellschaftsfähig ist. Zudem ist Nasensekret, das in der Nase verbleibt, ein Reservoir für Keime. Es ist besser, diese loszuwerden, anstatt sie im Körper zu behalten.

Vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Kindergärten und Schulen oder auf der Arbeit sind wir oft Erkältungserregern ausgesetzt. Welche Tipps können dabei helfen, eine Ansteckung zu vermeiden?

Dr. Deeg: Nehmen wir die Situation im Bus zur Stoßzeit, viele Menschen stehen dicht beieinander. Hier ist jeder auf das rücksichtsvolle Verhalten der anderen Fahrgäste angewiesen und sollte sich selbst ebenfalls entsprechend verhalten. Kräftiges Husten oder Niesen, ohne sich ein Taschentuch vorzuhalten, gehört sich nicht. Dabei können Krankheitserreger ausgestoßen werden, was ein Ansteckungsrisiko für andere birgt. Um sich selbst zu schützen, ist vor allem die richtige Handhygiene wichtig. Denn Ansteckungen geschehen häufig über die Hände; Haltestangen und Druckknöpfe werden schließlich auch von erkälteten Menschen angefasst. Ich empfehle deshalb, die Hände nicht nur gründlich zu waschen, sondern in der Erkältungszeit anschließend auch zu desinfizieren. Auch in die Armbeuge zu niesen statt in die Hände, kann das Ansteckungsrisiko über die Hände verringern.

Ab welchem Alter sollten Kinder lernen, sich die Nase selbst zu putzen? Worauf sollten Eltern dabei achten?

Dr. Deeg: Das hängt vom Kind ab – die einen lernen es etwas früher, andere später. Ab etwa drei Jahren können Eltern versuchen, spielerisch das Schnäuzen zu üben. Dabei sollten sie immer ihre Hilfe anbieten und dem Nachwuchs vormachen, wie man beispielsweise das Taschentuch richtig hält.

Haben Sie spezielle Tipps für Eltern, das richtige Schnäuzen kindgerecht zu vermitteln?

Dr. Deeg: Ganz wichtig ist, intuitiv vorzugehen und immer freundlich zu bleiben. Eltern können beispielsweise gemeinsam mit dem Kind das Luftauspusten durch die Nase üben. Anschließend sollten sie das Kind ausprobieren lassen, ob das auch mit zugehaltener Nase funktioniert und den Widerstand spüren lassen. Im nächsten Schritt kommt dann das Taschentuch ins Spiel – jetzt kann das Kind ausprobieren, wie das Luftauspusten sich mit dem Taschentuch steuern lässt.

Viele Kinder bohren gern in der Nase und essen, was sie darin finden. Ist dies aus medizinischer Sicht bedenklich? Wie sollten Eltern reagieren?

Dr. Deeg: Das Essen ist medizinisch betrachtet weniger bedenklich als das Bohren. Der Finger kann die Nasenschleimhaut im vorderen Bereich verletzen und zu Nasenbluten führen, denn hier befinden sich viele kleine Blutgefäße. Wird Nasensekret gegessen, zerstört die Magensäure die enthaltenen Keime. Auch hier ist eher der gesellschaftliche Aspekt entscheidend. Deshalb empfiehlt es sich, auch kleinen Kindern bereits freundlich zu erklären, wie dieses Verhalten auf andere wirkt und dass es lieber unterlassen werden sollte.

Dr. med. Michael E. Deeg ist Facharzt für HNO-Heilkunde sowie Allergologie und zudem Pressesprecher des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte.

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